Addis Abeba, 1. Mai 2009

Hallo Herr Laufenberg,

vielen Dank für Ihre E-Mail vom 30.4. und Ihre Bemühungen, was die Spende über 500.- Euro und die Vorbereitungen für den Aktionstag angeht. Auch ich bin für das Unternehmen der Förderung des naturwissenschaftlichen Unterrichts tätig, und so bin ich sehr froh für jeden Euro, der in Sicht ist. Die Spendenbescheinigungen für die ersten Spender sind bereits unterwegs. Was die nächste Spende angeht, so muss der Beleg abgewartet werden. Das Kirchenbüro hat nämlich noch kein Online-Banking auf dem Programm. Die Zusendung von Belegen dauert erfahrungsgemäß etwa drei Wochen. Auf jeden Fall wird es aber mit der Spendenbescheinigung in absehbarer Zeit klappen.

Die Schüler äußerten mir gegenüber den Wunsch, die bunten Prospekte der German Church School beim Aktionstag auslegen zu können. Wir haben gerade neue Prospekte in Deutschland drucken lassen, und so habe ich veranlasst, 100 Stück an das Pascal-Gymnasium zu Ihren Händen schicken zu lassen. Dabei ist aber eins zu bedenken. Darauf ist nur die Kontonummer für Spenden an die German Church School vermerkt. Dieses Geld kann keinesfalls für „unser“ Projekt verwendet werden. Was die einmal haben, darf nur noch für die Schule selbst (Armutskinder) verwendet werden. Eine durchlaufende Spende gibt es nur über die Kirche. Auf deren Konto überweise ich unter Angabe des speziellen Zweckes von dem bekannten dafür eingerichteten Konto bei der Sparkasse Neuss. Es ist natürlich einfacher und daher einträglicher, wenn die Leute eine Kontonummer direkt in die Hand bekommen, als wenn sie diese über das Internet in Erfahrung bringen müssen. Auch in Deutschland verfügen ja längst nicht alle Menschen über einen Internet-Anschluss. Wie wäre es also, wenn Sie eine Beilage oder einen Aufkleber herstellen und diesen beifügen. Nichts habe ich gegen Spenden für die German Church School einzuwenden. Das ist ein wunderbares Projekt, für das ich seit mehr als zehn Jahren tätig bin. Aber dieses ist gut installiert und erhält weit mehr Zuwendungen als unser neu ins Leben gerufenes Projekt für die Naturwissenschaften. Der Aktionstag gilt ja auch diesem, und das sollten alle Spender richtig verstehen.

Das Treffen von Chemielehrern der beteiligten Schulen, von dem ich neulich schrieb, hat inzwischen stattgefunden. Mein ehemaliger Schüler, jetzt Professor für Chemie an der Uni Addis Abeba, war auch erschienen. Er stellt uns nun eine realistische Basisausstattung zur Verfügung, die mit der Ausstattung für Sicherheit beginnt. Ein feuer- und säurefester Tisch muss auch her. Den kann man hier nicht kaufen, sondern er muss hergestellt werden. Auch dabei hilft der Professor. So geht es also in kleinen Schritten voran.

Gerade gestern war ich mit meinem Kollegen Yohannes von der German Church School, der mir auch bei den Abrechnungen hilft, in einer der neuen Schulen, und wir haben dort die „Chemiesammlung“ besichtigt. Für Physik ist nichts da. Der Raum war ein langer Schlauch, recht dunkel, da die Fenster absichtlich mit Farbe zugeschmiert wurden, damit die Schüler nicht nach draußen gaffen können. In einem Regal in der Ecke standen ein paar Gläser und zwei Tüten. Das war es denn auch. Wir bedeutetem dem Schulleiter und der Chemielehrerin, die uns begleiteten, dass der Raum völlig ungeeignet sei. Der Schulleiter brachte uns in den Neubau, und wir konnten ihn überzeugen, dass dort in einem großen und besser dimensionierten Raum etwas installiert werden sollte. Ob hier wieder die Fenster zugeschmiert werden sollen, wollte ich wissen. Wie wäre es denn, wenn der Unterricht einmal so interessant wäre, dass die Schüler freiwillig auf den Experimentiertisch schauen und nicht nach draußen? Der Schulleiter will es beherzigen. Jedenfalls sieht man, dass noch viel zu tun bleibt, um dem Unterricht in Chemie und Physik auf die Beine zu helfen. Wir werden uns weiter darum kümmern.

Für heute möchte ich meine Ausführungen beenden und freue mich auf die Ergebnisse des Aktionstages. Insbesondere freue ich mich über die vielen Aktivitäten, die diesbezüglich laufen. So etwas ist hier an äthiopischen Schulen undenkbar.

Mit herzlichen Grüßen an alle Schüler der beiden beteiligten AGs und an andere Beteiligte, etwa die Religionsfachschaft

Ursel Stahlmann