08.12.2008

Addis Abeba,

Lieber Arne, liebe Schüler der iNAG, lieber Herr Laufenberg,

wir liegen alle gut im Rennen, die internet-Nachhaltig-keits-AG einerseits und die Fortbildung äthiopischer Lehrer hier in Addis Abeba andererseits. Das einzige Problem das wir haben, ist die Zeitnot. Inzwischen hat mich Herr Quenel ermuntert, mich zu melden. Außerdem liegt mir ein ausführlicher Bericht von Arne vom 13.11. vor, für den ich mich recht herzlich bedanke.

Außer der vielen Arbeit, die ich für zwei Schulen zu erledigen habe, sind da noch diverse Projekte der Rotarier, für die ich im Einsatz bin und für die es unentwegt Schriftliches zu erdledigen gibt. Vor allem aber war ich mit der Vorbereitung des Workshops beschäftigt, für den unter anderem die Zuwendungen der iNAG bestimmt sind.

Zunächst aber möchte ich mich bei allen Schülern recht herzlich für den Einsatz bedanken. Dazu gehören außer den Mitgliedern der AG auch alle Beteiligten am Fußball-Benefizspiel und die Schüler/innen des schulinternen Sanitätsdienstes. Die Aktivitäten der AG bzgl. einem „Pascal Wald“ finde ich sehr gut. Solche Projekte sind im wahrsten Sinne des Wortes nachhaltig. Ich wünsche allen Beteiligten viel Erfolg!

Meine volle Anerkennung gilt dem Betrag, den ihr zusammengebracht habt. Egal wie viel oder wie wenig es ist: Ihr ward die ersten, die aktiv wurden, und Geld beisammen hatten, nachdem ich in Grevenbroich und hier in Addis Abeba eine Reihe von Leuten und Institutionen angesprochen hatte. Je mehr Schüler sich angesprochen fühlen, und je mehr Menschen und Institutionen sich engagieren, desto besser ist es! Darüber freue ich mich selbstverständlich, auch wenn es keine Tausende Euro sind. Die habe ich auch von Schülern nicht erwartet. Auf jeden Fall freue ich mich sehr, dass die AG wächst, dass die Schüler sich engagieren und dabei auch von unserem Projekt erfahren.

In diesem Zusammenhang habe ich eine ganz konkrete Frage. In Arnes Brief steht zu lesen: „Herr Laufenberg ist in Kontakt mit dem Grevenbroicher Rotary-Club….“. Bitte teilen Sie mir Näheres mit. Mit diesem Club habe ich intensive Kontakte, aber mein Brief- und Projektpanter wusste nichts von einem Kontakt zur AG des Pascal-Gymnasiums. Handelt es sich um den Lions-Club? Dieser hat mir bereits eine Spende für das naturwissenschaftliche Projekt zugesagt. Ich bin selbst Rotarierin und Mitglied eines Clubs hier in Addis Abeba. Daher rühren für mich zahlreiche Projekte, an denen ich beteiligt bin. Der Grevenbroicher Rotary-Club sponsert ein größeres Projekt, das nun auch von der international arbeitenden Gesamtorganisation der Rotarier unterstützt wird. Da der Club hier eine größere Summe einbringt, hatte ich nicht erwartet, dass er sich für ein weiteres Projekt engagiert. Aber vielleicht handelt es sich ja um eine Verwechslung. Ich besuche den Rotary-Club in Grevenbroich regelmäßig, wenn ich zu Hause bin, und hätte die Verantwortlichen längst angesprochen, wenn nicht das andere Projekt schon liefe. Wir, d.h. der Grevenbroicher Club und mein Rotary-Club in Addis Abeba, sind seit fast zwei Jahren gemeinsam mit der Vorbereitung beschäftigt. Es handelt sich um eine dreijährige Ausbildung von Familienplanern/innen. Sie sollen sich insbesondere auf dem Land in der Frauenförderung, Geburtenbeschränkung, Aids-Verhütung und Gesundheitsförderung betätigen.

Nun möchte ich wie gewünscht noch auf das Projekt eingehen. Wie bereits bekannt ist, sollen für das gespendete Geld Unterrichtsmaterialien für naturwissenschaftliche Fächer angeschafft werden, und zwar nur für solche Lehrer, die sie auch einzusetzen wissen. Ansonsten wäre die Anschaffung ja sinnlos. Diesbezüglich ist es unumgänglich, die äthiopischen Lehrer in die Benutzung einzuführen. Das ist im letzten Jahr bereits geschehen und soll demnächst fortgeführt werden. Unsere nächste Lehrerfortbildung ist fest geplant und findet Anfang Januar statt. Dann kommen zwei Lehrer, eine Dame und ein Herr, aus Deutschland mit den Fächern Chemie und Physik nach Addis Abeba und führen weiter, was beide im Februar dieses Jahres begonnen haben. Die Beiden werden die gleichen äthiopischen Lehrer wie im Vorjahr treffen. Was wird das für eine Freude sein, wenn letztere gleich ein paar Materialien mitnehmen und sofort in ihren Schulen einsetzen können!

Zum Schluss noch eine erfreuliche Nachricht. Ich habe mich hier vor Ort fleißig umgetan und tatsächlich eine neue Firma gefunden, die Schulmaterialien für Naturwissenschaften importiert und hier zum Kauf anbietet. Damit entfällt die Bestellerei in Deutschland und der langwierige und teure Transport. Abgesehen davon sind zum Beispiel Chemikalien überhaupt nicht erlaubt zu exportieren. Obendrein können wir offiziell nicht zollfrei importieren. Da habe ich zwar meine Beziehungen, um das zu umgehen, aber so ist es doch einfacher. Wir können also für den zur Verfügung stehenden Betrag gleich zugreifen und werden das auch tun. Sobald die beiden Lehrer hier eintreffen, kaufen wir möglichst Sinnvolles ein.

Die neu eingerichtete Kontonummer bei der Sparkasse Neuss lautet 1000568541 und hat folgende Bezeichnung: Ursel Stahlmann – naturwissenschaftlicher Unterricht.

Die konkreten Fragen am Schluss des Briefes beantworte ich wie folgt:

  • Geldbetrag: Dieser ist nach oben offen. Die deutschen Lehrer haben einen Betrag von 6.000.- Euro für eine Grundausstattung je Schule veranschlagt, und wir wollen von den sieben teilnehmenden Schulen fünf unterstützen. Da wir diese Beträge in Jahren nicht zusammenbringen, fangen wir bescheiden an, nämlich mit dem, was wir haben. Das sind 2000.- Euro vom Lions-Club und ein Betrag von der Pascal iNAG. Ich bin gemeinsam mit Kollegen von der German Church School dabei, im äthiopischen Erziehungsministerium das Interesse für das Projekt zu wecken. So könnte einmal ein Budget im landeseigenen Schulbudget installiert werden.
  • Lokalisierung: Alle Schulen befinden sich in Addis Abeba im gleichen Bezirk wie die German Church School (Woreda 13).
  • Zuwendung an wen? Es handelt sich um folgende fünf Schulen:
    • Menelik I Primary School
    • Menelik II Primary School
    • Atse Naod School
    • Belay Zeleke Primary School
    • Mehal Ginfile Primary School

    Zur Fortbildung gehören außerdem die Lehrer von zwei katholischen Schulen, die keine Geräte erhalten sollen, weil sie schon eine bescheidene naturwissenschaftliche Ausstattung besitzen, die sie selbst finanziert haben. Wir halten engen Kontakt mit diesen beiden Schulen und laden unsere Lehrer jeweils gegenseitig zu Fortbildungen ein.

  • Einsatz des Geldes: Dies ist oben ausführlich beschrieben. Wir suchen eine oder zwei Schulen aus, und zwar nach der Qualifikation der Lehrer und ihrer Einsatzbereitschaft. Allen Schulen nach dem Gießkannenprinzip etwas zu geben, hat keinen Sinn. Das wäre zu wenig je Schule. Zeitraum: Wir stehen ganz am Anfang. Wir hoffen, dass uns die deutschen Lehrer noch ein paar Jahre treu bleiben, oder andere kommen. Da wir von denen eine Einkaufsliste erhalten haben, können wir mit Hilfe der neuen Firma vor Ort auch sukzessive nachkaufen, falls Geld vorhanden ist. Verwendungsnachweise können jeder Zeit vorgelegt werden. Im Idealfall wird das Projekt fortgeführt, bis jede Schule ausgestattet ist. Bzw. noch idealer wäre es, wenn der äthiopische Staat sich die Ausstattung zu eigen machen würde.

Fotos werden hergestellt. Ich werde sie nach der Fortbildung schicken.

Wegen der Fortbildung kann ich dieses Jahr über Weihnachten nicht nach Grevenbroich kommen und damit leider auch nicht an so schönen Veranstaltungen wie zum Beispiel der vorweihnachtlichen Musikveranstaltung im Pascal-Gymnasium teilnehmen. Ich wünsche allen Schülern/innen und Lehrern/innen im Pascal-Gymnasium ein gesegnetes Weihnachtsfest, ein frohes Neues Jahr 2009 und erholsame Weihnachtsferien.

Ihnen, lieber Arne wünsche ich viel Erfolg bei der Suche nach einer guten Möglichkeit, ein Jahr in Afrika als Zivildienstleistender zu verbringen. Grüßen bitte auch Ihre Mutter und ihre Schwester Lara von mir.

Mit herzlichen Grüßen speziell an alle Mitglieder der iNAG
Ursel Stahlmann

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